KI-Forum· Thomas Morawek· 27. Mai 2026· 6 Min Lesezeit

Was ein KI-Owner wirklich tut: Rollenprofil für die erste KI-Stelle im Mittelstand

Ohne KI-Owner bleibt KI Chefsache — und verschwindet im Tagesgeschäft. Mit KI-Owner wird KI Teil der Linienorganisation.

KI-Forum-Sketchnote: Was ein KI-Owner wirklich tut: Rollenprofil für die erste KI-Stelle im Mittelstand
Ohne KI-Owner bleibt KI Chefsache — und verschwindet im Tagesgeschäft. Mit KI-Owner wird KI Teil der Linienorganisation.
Klartext

Ein KI-Owner ist die benannte Person im Unternehmen, die für KI-Einführung, Governance und Kompetenz-Nachweise verantwortlich zeichnet. Die Rolle ist keine IT-Aufgabe, sondern Cross-Funktion: mindestens 30 Prozent Zeit, klare Berichtslinie an die Geschäftsführung, dokumentierte Zuständigkeit.

Evidenz-Tier 3: Rollen-Framework aus Governance-Beratungen KMU 2025-2026.

Auf einen Blick

Dieser Beitrag ist Teil der Wissensbasis rund um das KI-Forum Linz am 24. Juni 2026 im OÖNachrichten Forum. Autor: Thomas Morawek, Co-Gründer KI-Forum.

Ohne KI-Owner bleibt KI Chefsache — und verschwindet im Tagesgeschäft. Mit klar mandatiertem KI-Owner wird KI Teil der Linienorganisation. Fünf Kernaufgaben definieren die Rolle.

Warum die KI-Rolle im Mittelstand häufig scheitert

In vielen Unternehmen landet KI als Zusatzaufgabe bei IT-Leitung, Digitalisierungsbeauftragten oder engagierten „Techies". Sie sollen nebenbei Tools testen, Piloten betreuen und Schulungen organisieren. Das funktioniert selten, weil Mandat und Zeit fehlen und die Rolle unscharf bleibt. Wer 5 % Zeit für KI hat, bekommt 5 % Ergebnis.

Kernaufgaben eines KI-Owners

1. Use-Case-Backlog und Roadmap

Der KI-Owner pflegt eine lebende Liste von Use-Cases: Ideen aus Workshops, Pain Points aus Bereichen, Lessons Learned aus Piloten. Er nutzt Werkzeuge wie das 4-Quadranten-Dashboard, um Quick Wins und Next Best Thing klar zu unterscheiden.

2. Pilot-Design und Umsetzung

Zusammen mit Fachbereichen definiert der KI-Owner Ziele, KPIs, Scope und Zeitplan für Piloten. Er koordiniert interne Ressourcen und externe Partner — vom Tool-Anbieter bis zur Fachberatung — und stellt sicher, dass Ergebnisse messbar dokumentiert werden.

3. Governance und Compliance

Der KI-Owner ist Co-Pilot für Datenschutz und Compliance: Er sorgt dafür, dass KI-Richtlinie, Schatten-KI-Register, Risk-Assessments und AI-Act-Anforderungen in Projekten berücksichtigt werden. Er ist nicht Jurist, aber er weiß, wann und wie er Jurist:innen einbindet.

4. Kommunikation und Enablement

Er ist Gesicht und Stimme von KI im Unternehmen: Townhalls, Brown-Bag-Sessions, interne Newsletter. Er sammelt Erfolgsgeschichten und Sorgen aus der Belegschaft und übersetzt sie in Maßnahmen — Trainings, Richtlinien, Prozessanpassungen.

5. Schnittstelle zur IT-Architektur

Der KI-Owner versteht das 5-Schichten-Modell eines KI-Betriebssystems: Interface, Orchestrierung, Skills, Modelle, Daten. Er entscheidet nicht allein über Architektur, aber er kann Anforderungen aus den Fachbereichen in technische Roadmaps übersetzen.

Profil: Welche Person passt in die Rolle?

Ein KI-Owner muss kein Data Scientist sein. Aber er muss verstehen, wann er einen Data Scientist braucht — und wann nicht.

Zum Mitnehmen

Häufige Fragen

Soll der KI-Owner in der IT oder im Business aufgehängt sein?
In vielen Fällen ist er organisatorisch im Business (z. B. Strategie, COO-Office) aufgehängt, arbeitet aber eng mit IT und Datenschutz zusammen. Wichtig ist weniger der Organigramm-Kasten als klare Verantwortlichkeiten.
Brauchen wir zusätzlich noch einen Data Scientist?
Nicht zwingend. Viele Mittelständler kommen mit bestehenden BI-/DWH-Teams und externen Spezialisten aus. Der KI-Owner koordiniert diese Ressourcen — und sorgt dafür, dass Fachlichkeit, Daten und Technik zusammenfinden.
Wie messen wir den Erfolg des KI-Owners?
Etwa über Anzahl und Qualität abgeschlossener Piloten, erzielten Nutzen (Zeit, Kosten, Umsatz), Akzeptanz im Business und Reifegrad der Governance-Strukturen.
Was sind die 90-Tage-Ziele eines neuen KI-Owners?
Tag 1–30: Schatten-KI-Inventur und Stakeholder-Map. Tag 31–60: KI-Richtlinie light und Use-Case-Backlog. Tag 61–90: zwei priorisierte Quick-Win-Piloten gestartet und Kommunikations-Routine etabliert.
Wie hoch sollte das Gehalts-Niveau sein?
Im Mittelstand typischerweise zwischen Senior-Projektmanager und Bereichsleiter — je nach Mandat und Tiefe. Vollzeit-KI-Owner gibt es ab ~150 Mitarbeitern, darunter meist Teilzeit-Konstruktion.
Thomas Morawek
Thomas Morawek Zertifizierter Chief AI Officer (CAIO) · Geschäftsführer COMO GmbH · Co-Gründer KI-Forum · Linz
Autoren-Profil · LinkedIn

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