KI-Forum· Thomas Morawek· 22. Mai 2026· 5 Min Lesezeit

Warum 87 Prozent der KI-Berater in 24 Monaten nicht mehr relevant sein werden

Nicht wegen KI. Sondern weil Präsentation ohne Umsetzung austauschbar wird.

KI-Forum-Visual: 87 Prozent präsentieren — 13 Prozent liefern wirklich. Infografik zur KI-Beratung
87 Prozent präsentieren. 13 Prozent liefern wirklich. Was den Unterschied macht.
Klartext

Der Großteil aktueller KI-Berater arbeitet mit Folien und Tool-Empfehlungen statt mit Umsetzung. Sobald LLMs Standard-Beratung selbst leisten, verlieren diese Modelle ihre Grundlage. Übrig bleibt, wer Prozesse strukturiert und Verantwortung dokumentiert — nicht wer Tools erklärt.

Evidenz-Tier 3: Praxis-These aus Marktbeobachtung KI-Beratungsmarkt 2026.

Auf einen Blick

Autor: Thomas Morawek, zertifizierter Chief AI Officer (CAIO), Geschäftsführer COMO GmbH und Co-Gründer KI-Forum.

Die Behauptung wirkt provokant, ist aber aus zwei Mustern abgeleitet, die heute schon sichtbar sind: KI demokratisiert das Wissen, das Berater bisher exklusiv hatten — und der Mittelstand kauft zunehmend nach Ergebnis, nicht nach Präsentation.

Hinweis zur 87-Prozent-These Die konkrete Zahl 87 Prozent ist eine plakative Setzung, die der Erfahrungseinschätzung der KI-Forum-Arbeit entspringt — keine empirische Studie. Was sich belegen lässt: der Strukturwandel in der KI-Beratungs-Landschaft hin zu umsetzungsorientierten Anbietern. Die genaue Trennscharfe-Quote ist Schätzung.

Drei Muster, warum Berater austauschbar werden

In der aktuellen KI-Beratungs-Landschaft sind drei Muster sichtbar, die in den nächsten 24 Monaten zum Aus führen werden — nicht für die Personen, aber für ihr Geschäftsmodell.

Muster 1: Folien-Berater

Folien-Berater liefern Strategie-Präsentationen ohne Umsetzungs-Begleitung. Das Ergebnis nach einem zweitägigen Workshop ist eine 80-Folien-Strategie — aber niemand hat danach implementiert. In 12 Monaten erinnert sich kaum jemand an die Inhalte.

Warum austauschbar: KI selbst kann inzwischen sehr gute Strategie-Folien generieren. Was bleibt, ist die Frage: Was passiert nach der Präsentation?

Muster 2: Tool-Empfehler

Tool-Empfehler verkaufen Hype-Werkzeuge ohne nachweisbaren Praxiseinsatz. Die Empfehlung kommt aus einer Recherche, nicht aus echter Kundenerfahrung. Wenn das Tool nicht funktioniert, ist der Berater bereits weitergezogen.

Warum austauschbar: Tool-Empfehlungen sind heute kostenfrei verfügbar — in Newslettern, LinkedIn-Posts, KI-Vergleichsportalen. Wer dafür 1.500 EUR Tagessatz nimmt, hat ein Problem.

Muster 3: Workshop-Verkäufer

Workshop-Verkäufer organisieren Motivations-Tage ohne nachhaltiges Ergebnis. Die Belegschaft ist nach dem Workshop kurz inspiriert — drei Wochen später läuft alles wie zuvor.

Warum austauschbar: Inspiration ohne strukturelle Nachverfolgung verflüchtigt sich. Wer Workshops verkauft, ohne dass danach etwas Messbares passiert, hat nur Veranstaltungs-Service geliefert.

Was bleibt: die 13 Prozent, die liefern

Die Cluster, die in 24 Monaten noch relevant sind, machen es anders. Sie folgen einer klaren Sequenz:

Problem

Konkreten Engpass benennen — nicht abstrakt, sondern mit Zahlen und Beispielen. Welche Aufgabe nervt die Belegschaft? Wo gehen Stunden pro Woche verloren? Wo entstehen wiederholte Fehler?

Lösung

Prozess sauber denken — vor der Tool-Frage. Welche Schritte ändern sich? Welche bleiben? Wer übernimmt Verantwortung?

Umsetzung

Bauen, testen, integrieren. Die Lösung läuft in einem produktiven Workflow, nicht in einer Demo-App. Mitarbeitende nutzen sie täglich.

Ergebnis

Zeit sparen, Kosten senken, Wirkung sehen. Das Ergebnis ist messbar — Anzahl automatisierter Prozesse, gesparte Stunden, reduzierte Fehlerquote.

Wo KI-Forum in diesem Bild steht

Wir sind ehrlich: KI-Forum startet als Workshop-Anbieter — aber mit klarer Abgrenzung zum Workshop-Verkäufer-Muster. Drei Mechanismen verhindern, dass wir in die austauschbare Schublade rutschen:

Das schützt nicht automatisch — aber es richtet die Ausrichtung. Workshop ist Mittel, nicht Zweck. Das Ziel: Klarheit für den Kunden über seine eigenen Pain Points und Use Cases.

Zum Mitnehmen

Häufige Fragen

Ist die 87-Prozent-Zahl belegt?
Nein, die Zahl ist eine plakative Setzung aus der Erfahrung der KI-Forum-Arbeit. Sie soll den Strukturwandel im Markt sichtbar machen, nicht eine empirische Studie ersetzen. Was sich belegen lässt: KI demokratisiert Wissen, das Berater bisher exklusiv hatten, und Mittelständler kaufen zunehmend ergebnisorientiert.
Was unterscheidet einen Folien-Berater von einem nachhaltigen KI-Partner?
Folien-Berater hören nach der Strategie-Präsentation auf. Nachhaltige KI-Partner bleiben durch die Umsetzung dabei — entweder durch Begleitung des Pilot-Projekts, durch interne KI-Verantwortlichen-Coaching oder durch klare Übergabe an Implementierungspartner. Die Frage 'Was passiert nach der Präsentation?' muss beantwortet sein.
Warum sind Tool-Empfehlungen heute weniger wert?
Weil sie kostenfrei verfügbar sind. Vergleichs-Portale, Newsletter, LinkedIn-Posts und mittlerweile KI selbst geben Tool-Empfehlungen kostenfrei. Was wertvoll bleibt: die kontextspezifische Bewertung 'Welches Tool passt zu meinem konkreten Prozess, meiner Branche, meiner Datenlage'. Das braucht Praxis-Erfahrung, nicht Recherche.
Sind Workshop-Anbieter automatisch Workshop-Verkäufer?
Nicht zwingend. Der Unterschied liegt in der Mechanik nach dem Workshop. Workshop-Verkäufer liefern Inspiration ohne Folge-Struktur. Echte Workshop-Anbieter haben klare Nachverfolgungs-Prozesse (Auswertung, Folge-Gespräch, ggf. Pilot-Begleitung), die das Workshop-Ergebnis in messbare Veränderung übersetzen.
Wie erkenne ich einen austauschbaren KI-Berater?
Drei Signale: Erstens — die Beratung endet mit einer Strategie-Präsentation, ohne Umsetzungs-Begleitung. Zweitens — die Tool-Empfehlungen klingen wie aus einem Newsletter abgelesen, ohne eigene Kunden-Erfahrung. Drittens — der Workshop ist Selbstzweck, ohne klare Nachverfolgungs-Mechanik. Wenn zwei der drei Signale zutreffen, ist Vorsicht angebracht.
Thomas Morawek
Thomas Morawek Zertifizierter Chief AI Officer (CAIO) · Geschäftsführer COMO GmbH · Co-Gründer KI-Forum · Linz
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